Was empfehle ich bei Diagnose Krebs?

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11. Januar 2021

Ein Beitrag von Bernhard Trenkle

­Neulich hatte mich ein befreundeter Kollege angerufen und fragte mich um Rat, wegen einer gerade diagnostizierten Krebserkrankung in seiner Verwandtschaft - Ich habe ihm versucht in wenigen Minuten so viele Infos und Ressourcen „rüberzuschieben“, wie es in der Kürze der Zeit möglich war. Andreas Trenkle hatte das im Hintergrund mitgehört und gemeint: Oh -  das hätten wir aufnehmen sollen, um es als Info unseren therapie.tv Kunden zur Verfügung zu stellen. Nun versuche ich zu rekonstruieren, was ich damals am Telefon alles empfohlen hatte.

Wenn sich jemand mit einer aktuellen Diagnose „Krebs“ an mich wendet, dann empfehle ich immer das Buch von Lawrence LeShan: Diagnose Krebs – Krebs als Wendepunkt.
Dieses Buch kann man im übrigen auch lesen, wenn man keine Krebsdiagnose hat – sozusagen als Prophylaxe. Man kann das Buch nicht lesen, ohne sich damit zu beschäftigen, was will ich eigentlich im Leben – was will ich eigentlich noch im Leben? Was sind meine Ziele? Meine Träume?

LeShan versucht von dort bei den PatientInnen wieder neuen Lebensmut bzw. vergessene Lebensmotivation zu aktivieren. Es sind aber auch sonst viele Tips drin, wie man mit ÄrztInnen und Kliniken umgeht, die einem Behandlungen anbieten wollen, von denen man nicht überzeugt ist. LeShan arbeitete als junger Psychologe an der psychiatrischen Klinik, an der Milton Erickson Chefarzt war.

Dann gibt es auf unserer Rottweiler Webseite (www.meg-rottweil.de/images/audio/hypnose_krebs.mp3) eine ganz besondere Aufnahme, die alle kostenlos nutzen und runterladen können.

Als ich selbst 2014 überraschend und schockiert die Diagnose Blasenkrebs bekam, habe ich mir die Hypnose-Aufnahmen durchgehört, die ich in den Jahren zuvor für PatientInnen aufgenommen hatte. Schließlich habe ich mich für eine ca. 35 – minütige Aufnahme entschieden, die ich für eine ärztliche Kollegin gemacht hatte. In dieser Aufnahme hatte ich kompakt sehr viel reingepackt, was sich seit den 80er Jahren mit KrebspatientInnen bewährt hatte. Es ist ein Rundumschlag mit Techniken zur Ausblendung von Nebenwirkung von Chemo, Stärkung körpereigener Abwehr, Visualisierungstechniken, LeShan, Ausblenden störender Gedanken, etc.

Diese Aufnahme hat unserer Kollegin Claudia Reinicke später bei ihrer schweren Krebs-Erkrankung sehr geholfen. Sie hat dazu im Herder-Verlag ein Buch geschrieben: Resilienz bei schwerer Krankheit. In diesem Buch ist ein komplettes Transkript dieser Aufnahme von unserer Homepage. Der Herder-Verlag hat dann angefragt, ob ich diese Aufnahme allen LeserInnen zur Verfügung stellen könnte. Das haben wir mit Erlaubnis der ursprünglichen Patientin, für die das aufgenommen wurde, dann gerne getan. Und die Aufnahme hat jetzt wirklich schon vielen geholfen. Sie enthält ganz wenige Worte, die sich auf die ursprüngliche Patientin beziehen, die man aber leicht für sich modifizieren kann.

Es ist zudem spannend sich mit dem Thema Spontanremission zu beschäftigen. Dazu gab es in der Vergangenheit in den 80er Jahren an der Uniklinik Heidelberg und vor wenigen Jahren in Hamburg jeweils eine Tagung. Man hat sich damit beschäftigt, was machen eigentlich die KrebspatientInnen, für die die Medizin nichts mehr tun kann und dann wie durch ein Wunder doch überleben.
Von der ersten Konferenz in Heidelberg gibt es ein Buch von Hiroshi Oda: Das Erleben von Spontanremission. Das findet sich noch in Büchereien oder antiquarisch.
Er hat damals drei Muster gefunden:

  • Über starken Willen:
    Ich bin so stark, dass ich stärker bin als mein Krebs. Beispiel dafür könnte vielleicht der vielfache Tour de France Sieger Lance Armstrong sein – ich habe bei der Tour alle platt gefahren und ich fahre auch meinen Krebs platt
  • Über religösen Glauben:
    Die PatientInnen sehen ein göttliches Licht, einen Engel oder die Gottesmutter Maria und werden dann überraschend schnell gesund.
  • Über neue Lebensziele und radikalen Lebenswandel:
    Das entspricht dem was LeShan sagt. Beispiel: Ein Krebs-Patient gibt die Chefarztstelle auf und studiert Musik was er eigentlich schon immer machen wollte.

Welche weitere hypnotherapeutischen Möglichkeiten gibt es in der Onkologie?

  • Hypnotische Schmerzkontrolltechniken sind natürlich in vielen Fällen sehr hilfreich. Ich habe auch schon den Auftrag bekommen, dass bei der Chemo die Haare nicht ausfallen sollen. Obwohl ich ehrlicherweise selbst nicht daran geglaubt habe, sind nur wenige Haare ausgefallen. Jedenfalls nur soviele, dass es im beruflichen Kontext nicht aufgefallen ist.
  • Dann lässt sich Hypnotherapie noch in der Rehabilitation einsetzen, um geschwächte oder verlorene Körperfunktionen wieder zu reaktivieren. Dies habe ich in einem Artikel zur Arbeit mit Schluck- und Zungenlähmungen nach Hirn-Op oder Schlaganfall ausführlich dargestellt (in Trenkle, Bernhard: Drei Bonbons für 5 Jungs, Carl Auer)

Empfohlene weitere Ressourcen:

Teile meiner psychoonkoligischen Arbeit wie Schmerzkontrolle, Reha-Techniken, etc. haben wir jetzt schon mit Aufnahmen für therapie.tv. dokumentiert. Andere wesentliche Aspekte, wie der Aufbau von Hoffnung und Stärkung des Lebenswillen in der ersten Sitzungen, werden wir demnächst ebenfalls dokumentieren.